Hyperaktivität / Legasthenie?
Warum taucht beim Thema Legasthenie der Begriff "Hyperaktivität" auf?
Oft wird ein legasthenes Kind nicht als solches erkannt und für hyperaktiv gehalten. Die Aufmerksamkeitsprobleme der hyperaktiven Kinder sind denen der legasthenen Kinder, für den Nichtfachmann/frau, sehr ähnlich. Der Unterschied in diesem Bereich, zwischen einem legasthenen Kind und einem hyperaktiven Kind ist -vereinfacht gesagt -, dass die Unaufmerksamkeitsproblematik nur im Kontakt mit Symbolen (Buchstaben, Zahlen, Noten...) auftritt. Ansonsten hat ein solches Kind (mit einer Primärlegasthenie), keine Aufmerksamkeitsprobleme. Natürlich kann ein Kind hyperaktiv und legasthen sein! Deshalb habe ich hier eine kurze Zusammenfassung der Begriffe, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten erstellt. Unter "Noch Fragen" auf meiner Webseite, finden Sie Bücher und Links, zu informativen Büchern und Internetseiten zum Thema.
Was ist "Hyperaktivität" (HA)?
Diese Bezeichnung ist eigentlich überholt, wird aber der Einfachheit halber immer noch verwendet. Exakter sind da die folgenden Bezeichnungen, von denen ich zwei etwas genauer erklären möchte:
ADS Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom
- Das Kind ist unaufmerksam ohne Hyperaktivität und Impulsivität.
ADHS Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
- Das Kind ist hyperaktiv-impulsiv und unaufmerksam.
Eine weitere Möglichkeit der Einteilung aus "Das schwierige Kind homöopathisch behandelt"
(von D. Radke S.61) ist:
- vorwiegend hyperaktiv-impulsiven "Zappelphilipp" oder ADHS-Plus-Typ
- vorwiegend aufmersamkeits-gestörten "Träumelinchen" oder ADHS-Minus-Typ
- oder den aufmerksamkeits-gestörten und hyperaktiven Misch-Typ
Wobei die Bezeichnungen ADS und ADHS nur zwei von min. sieben Begriffen für "die Hyperaktivität" sind.
Die weiteren wissenschaftlichen Bezeichnungen lauten:
- ADD = Attention-Defizit-Disorder
- ADHD = Attention-Deficit- Hyperactivity- Disorder
- HS = Hyperaktives Syndrom
- HKS = Hyperkinetisches Syndrom
- POS = Psychoorganisches Syndrom
Ursachen von ADS bzw. ADHS
Derzeit ist noch keine exakt und gesichert wissenschaftliche Erklärung möglich. Am wahrscheinlichsten ist wohl eine neurobiologische Störung. Auch genetische Komponenten, Umweltgifte, Perinatale- und/oder Schwangerschaftskomplikationen, sowie psychosoziale Faktoren, spielen eine Rolle.
Mit ungefähr 3-7%, je nach Studie, wird die Zahl der gesicherten ADS und ADHS - Fälle, angegeben.
Therapie von ADS und ADHS
So vielfältig wie die Symptome, sind auch die Möglichkeiten einer Behandlung.
Die medikamentöse Behandlung, Heilpädagogik, Bewegungstherapie, Kinesiologie, Hörtherapie, Homöopathie, Familientherapie, Konzentrationstraining.
Welche Behandlung auch immer, bedenken Sie bitte, Ihr Kind ist ein Unikat und muss nicht immer den gängigen Vorgaben entsprechen!
"Vergessen wir nie: Die Behauptung, so genannte ADS - Kinder litten unter einem Defekt, ist als solche nicht etwa eine Frucht wissenschaftlichen Forschens, sondern ein vorgefertigtes Urteil, das in die Untersuchungen hinein getragen wird und ihnen als Rechtfertigungsgrundlage dient. ... Wir haben es mit einem abweichenden Wahrnehmungs - und Kommunikationsstil zu tun, ... eine relativ seltene, aber allem Anschein nach immer häufiger auftretende Intelligenzvariante repräsentiert. Diese bedarf, wie jede andere Intelligenzvariante auch, der umsichtigen Förderung...."( Henning Köhler "War Michel von Lönneberga aufmerksamkeitsgestört?" S.31)
Zum Schluss möchte ich ihnen noch eine kleine Geschichte nicht vorenthalten, die aus dem Buch von Christine Mangold: "ADHS Krankheit oder Modediagnose unserer Zeit?" stammt, die es nach dem Buch von Thomas Armstrong : "Das Märchen vom ADHS- Kind" ihren Lesern erzählt.
Der Rosenpsychiater
Es begab sich im Reich der Blumen, dass die Rose eine Praxis eröffnete, um therapeutische Hilfe zu leisten, für ihre "Mitblumen" - beseelt von dem Wissen zu helfen - zum Wohle aller. Den ersten Termin nahm das Gänseblümchen wahr und die Rose kam nicht umhin, der kleinen Blume zu sagen: " Offensichtlich liegen da strukturelle Abnormitäten vor. Man schaue sich nur den großen Klumpen in der Mitte und die repetitive Regelmäßigkeit der strahlenförmigen Blütenblattstruktur an." Als Nächstes konsultierte sie die Lilie, und lautete die Diagnose: " Hier deutet das Fehlen sich entfaltender Blütenblätter im Zentrum auf eine Blütenblattmangelstörung hin." Aber besonders bedenklich hörte sich ihr Urteil über das Stiefmütterchen an: " Diese Blume leidet offensichtlich unter einer Störung, denn ihre pathologisch flachen Blütenblätter überstehen im Winter Frost; sie ist strukturell unfähig, ihre Blütenblätter zurückzuziehen, wenn sie dies ganz eindeutig tun sollte."
In keinem der Fälle würdigte der Rosen- Psychiater die natürliche Schönheit der jeweiligen Blume. Entscheidend ist für ihn vielmehr, dass sie alle seinen Vorstellungen von Normalität nicht entsprechen.
Und was ist normal?
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